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Die Diagnose Morbus Basedow
habe ich bewusst erst mitbekommen, als ich die Einweisung für das Krankenhaus in Händen hielt. So stellte ich mich im Krankenhaus vor und machte einen Termin für die OP aus. Vier Wochen später sollte alles über die Bühne sein.
Am Donnerstag, 2003-02-06 begab ich mich also ins St. Josef Hospital in Moers. Es wurden die letzten erforderlichen Voruntersuchungen gemacht und ich hatte lange Gespräche mit der Stationsärztin und dem Anästhesisten. Ich sagte ihnen meine Bedenken und man hörte mir zu und machte Notizen für den Eingriff. Abends bekam ich eine Tablette, die mich rasch in Morpheus Arme fallen liess. Freitagmorgen um halb 7h wurde ich geweckt. Ich bekam dieses super sexy Flügelhemdchen, einen Netzslip und diese weissen Ballettstrümpfe, musste mich rasch frisch machen und verkleiden und dann ging’s schon los, noch eine Tablette (Leckmichpille) einwerfen und man fuhr mich in den Vorraum zum OP. Nach einigen Minuten wurde ein älterer Mann auch dorthin gebracht. Er witzelte: ”Ich habe mir grad überlegt, wenn der Anstreicher was nicht richtig macht, kann er das ja abkratzen, aber wenn der Chirurg was nicht richtig macht?” Nun denn, darüber brauchte ich nicht lange nachdenken, ich wurde gebeten, auf den OP-Tisch umzusteigen, welcher mit gewärmten sterilen Matten frisch abgedeckt worden war und los ging’s. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ein freundliches Gesicht sagte: “ Ich lege ihnen jetzt die Kanüle ”, dann wurde es still um mich. Und irgendwann sprach mich jemand an und ich verstand, dass man mich wieder ins Zimmer bringen würde. Ein paar Türen weiter wartete mein Mann auf dem Flur und ich winkte ihm zu. Er war glücklich, mich wieder zu sehen, die Operation hatte doch immerhin insgesamt vier Stunden gedauert. Ich schlief wohl einige Male wieder ein an diesem Nachmittag und jedes Mal wenn ich die Augen öffnete, war ausser meinem Mann auch eine Krankenschwester da und ich sollte bestimmte Worte nachsprechen wie Coca Cola und so. Ich kam mir vor wie ein kleines Kind: Sag mal lieb * guten Tag * und gib der Tante das schöne Händchen. Mein Mann hat sich schlappgelacht, weil ich nicht nachplappern wollte. Nun, auch diese Zeit ging um. Unerwünschte
Nebenwirkung der Operation war, dass mein rechtes Stimmband beleidigt ist und seitdem seinen Dienst eingestellt hat.
Am Samstag fühlte ich mich noch etwas müde, aber ab Sonntag war ich wieder okay. Nach der Morgentoilette zog ich Jeans an und einen Reissverschluss-Pullover, band mir ein Halstuch um, denn mein Hals war blau. Ja ich hatte ein einziges Hämatom vom Kinn über den Hals und den gesamten Brustbereich. Zwei Drainageschläuche zierten mich ja auch noch. Den Behälter davon steckte ich kurzerhand in eine Gürteltasche. Ich hasse es, in dieser * Krankenhausuniform * zu sein und ich fühle mich auch so in Krankenhäusern absolut unwohl. Weil ich auch nachts nicht schlafen konnte, entschied ich mich am Dienstag, 2003-02-11 nach Hause zu gehen. Natürlich war Schonzeit angesagt. Mein Mann war glücklich über meinen Entschluss und auch mein Sohn freute sich, mich wieder zu Hause zu sehen.
Nun gab es auch ein neues Medikament für mich, L-Thyroxin. Da meine Schilddrüse und ich jetzt getrennte Wege gehen, muss ich die Hormone, welche ja nicht mehr produziert werden können, in Tablettenform einnehmen.
Die Einstellung auf die richtige Menge L-Thyroxin dauerte sehr lang. Der Anfang wurde mit 100µg gemacht, gesteigert habe ich * Krümelweise * mit jeweils 12,5µg, da mein Körper auf grössere Unterschiede sehr heftig reagiert.
Nun habe ich auch den lang ersehnten Besuch bei der Endokrinologin hinter mir. Auf meine Anfrage meinte der Internist, es sei nicht notwendig für mich, sie aufzusuchen, mein Doc gab mir jedoch problemlos die Überweisung. Ich hatte sehr grosses Glück, denn diese Lady ist sehr nett, kompetent und einfühlsam. Aber fast drei Monate Wartezeit auf den Termin machten es mir auch nicht gerade leicht.
Aufgrund dessen, dass ich im Net ein Forum gefunden hatte, wo Betroffene sich austauschen und einander Rat erteilen, habe ich an meiner Dosierung L-Thyroxin geschraubt und habe in kleinsten Schritten erhöht. Die Endo bestätigte mir, dass ich es richtig gemacht habe.
Herbst 2005
Das alles ist nun zwei Jahre her. Mein rechtes Stimmband arbeitet immer noch nicht. Ich habe permanent Halsschmerzen, kann nicht laut reden und manchmal meine Stimme nicht kontrollieren. Nach längerem Reden kippt meine Stimme weg.
Mein Allgemeinzustand hat sich stabilisiert. Im Grossen und Ganzen hat sich in dieser Zeit für mich gezeigt, wer Verständnis für mich hat und mir freundlich gesonnen ist und wer nicht, also mein damaliger Freundeskreis wurde ausgesiebt – davon ist nichts geblieben.
Ich kann Menschen nun wieder offen begegnen, wer jedoch Zugang zu mir selber bekommt, entscheide ich.
In die Zukunft sehe ich mit Meinem Begleiter, wie ich MB (Morbus Basedow) umbenannt habe. Ich habe ihn angenommen und kämpfe nicht mehr gegen, sondern mit ihm. Er ist nun Teil von mir.
Rheinberg, 2005-09-05
Annette Sager
Nachtrag:
Durch Hinweise von anderen Betroffenen bin ich darauf gekommen, dass mein Körper zusätzlich zur gesunden Ernährung Nahrungsergänzungsmittel benötigt. Neben Vitamin B Komplex nehme ich nun täglich Vitamin E, Provitamin A , die Mineralien Zink, Selen und Magnesium und zusätzlich die Aminosäure L-Arginin in form von Tabletten ein. Es ist nicht ganz preiswert, aber tut mir gut und trägt zu meinem Wohlbefinden bei. Dass ich nun keinen Seefisch, keine Kiwi und keine Pistazien mehr essen darf, ist bedauerlich, aber leider nicht zu ändern. Jod in jeder Form ist zu meiden, sei es als Arzneimittel oder in der Nahrungskette, eben auch Jodsalz, da bekannt ist, dass Jod erneute Schübe der nun * schlafenden Krankheit * auslösen kann.
© Annette Sager
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