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Dass ich Probleme mit der Schilddrüse hatte wusste ich schon immer. Aber das dies solche Auswirkungen auf mein gesamtes Leben haben würde, dies wusste ich sicher nicht.
Eigentlich fing es schon nach der Geburt meiner Tochter 1990 an. Meine Hausärztin diagnostizierte einen Tumor im Hals. Überweisung zum HNO-Arzt, natürlich kein Tumor. Meinen Hausarzt habe ich gewechselt. Mein neuer Hausarzt meinte es sei die Schilddrüse. Blutentnahme. Natürlich stellte sich eine Überfunktion heraus. Behandlung mit Carbimazol. Die Überfunktion verschwand wieder und mir ging es recht gut.
Was ich noch vergessen habe.
Bei meiner Tochter wurde damals ein Sonnenuntergangsphänomen nicht ausgeschlossen, da sie als Baby immer so die Augen aufriss. Durch eine Ultraschalluntersuchung wurde dies ausgeschlossen. Ich selbst gehe davon aus, dass ich schon bei der Schwangerschaft eine Überfunktion hatte . . . 1992 kam dann mein Sohn zur Welt. Ich widmete mich ganz den Kids.
1997 kam es dann wieder zu einer heftigen Überfunktion. Wiederbehandlung mit Carbimazol. Obwohl meine damalige Ärztin meinte es wäre besser die Schilddrüse zu operieren, da ich ansonsten an Morbus Basedow erkranken könne und meine Augen ganz schlimm aussehen könnten. Ich ging davon aus, da sie mir das so erklärte, ich hätte keine Überfunktion und kein Morbus Basedow. . Ich war sehr zuversichtlich. Liess mich nicht operieren und bekam die Überfunktion auch wieder unter Kontrolle. Zwischen 1997 und 2003 kamen immer wieder solche Phasen in denen ich aggressiv und mit vielen Dingen überfordert war. Na ja, aber sicher bekam ich auch dies wieder in den Griff.
Im April 2003 wurde mein Mann arbeitslos. Mein Gedanke war nur, die Existenz unserer Familie zu sichern. Ich nahm einen Job an. Einen zweiten Job hatte ich ja schon von 17.00 bis 19.00 Uhr. Mein Tag begann mit Stress und endete mit Stress. Täglich zehn Stunden arbeiten und dies für im Grund einen Hungerlohn. Dann noch Haushalt, Kids und natürlich auch noch mein Mann.
Im Sommer 2003 sah ich echt nicht gut aus. Wurde schon von Bekannten angesprochen ob ich wohl Magersüchtig sei… Hinzu kamen diese Taubheitsgefühle in der rechten Gesichtshälfte, an Arm und Bein. Mein Hausarzt überwies mich an einen Neurologen, dieser wieder an CTG: Es könnte ja etwas mit meinem Kopf sein. Mein Gott, hatte ich Angst. Vielleicht ein Gehirntumor? Oder stehe ich kurz vor einem Schlaganfall? Die Tage bis zum CTG waren echt schlimm. Zum Glück hatte ich nichts am Kopf.
Aber die Ärztin sprach Bedenken bezüglich meiner Augenmuskeln aus. Der Bericht erfolgte an den Neurologen und den Hausarzt. Der Neurologe meinte, es sei sicher eine Migräne. Mein Hausarzt bejahte dies auch. Aber kein einziges Wort von den Augenmuskeln. Daraufhin liess ich mich zum Endokrinologen überweisen und alles ging ganz schnell.
Morbus Basedow mit Augenbeteiligung. Therapie: Kortison und 9tägige Strahlenbehandlung der Augen. 75 mg L-Thyroxin und 10 mg Favistan.
Damit begann der Höllentrip. Ich hab ständig Panikattacken. Einmal ging ich mit dem Hund Gassi. Bekam im Wald einen Anfall. Hinter fast jedem Baum sah ich Gestalten. Der Boden drehte sich. Ich dachte nur noch: Mensch du musst dich jetzt auf irgendetwas konzentrieren. Konzentrierte mich stark auf den Hund. Hätte ich dies nicht getan ich glaube ich wäre nicht mehr nach Hause gekommen. Bekam diese Attacken auch öfters im Auto.
Versuchte nun Kinder, Arbeit, Haushalt und Strahlentherapie unter einen Hut zu bekommen - was ich auch schaffte. Nur nach meinem Befinden fragte mich niemand. Die Strahlentherapie veränderte auch sicher einen Teil in mir. Bei der Maskenanfertigung machte ich noch Scherze. Und als ich im Auto nach Hause fuhr weinte ich. Zum Glück hatte ich ja eine gutartige Krankheit was man ja von den anderen Patienten dort nicht behaupten kann. Alleine das Warten in dem Raum, indem man mit wirklich kranken, gezeichneten Menschen zusammen kam, lies mich auf eine Art reifen.
Ich hatte meine Krankheit jahrelang ignoriert. Sie nie wahrgenommen. Nun gut. Die neun Tage Strahlentherapie brachte ich schliesslich auch hinter mich und legte sie unter „Vergangenheit“ ab. Meine Augen wurden etwas besser. Konnte wieder gut Auto fahren ohne dass einem zwei Autos entgegen kamen oder die Strassenschilder doppelt da standen. Beim Lesen habe ich ab und zu noch das Problem, die Zeilen doppelt zu sehen.
Meine Taubheitsgefühle machten sich auch wieder bemerkbar bis der Endokrinologe feststellte es ist Calcium und VD Mangel.
Ein langes Gespräch mit meinem Endokrinologen und sein Satz: Liebe Frau…, Sie sind wirklich sehr krank… - öffnete mit etwas die Augen. Ich achte nun mehr auf mich, auf meinen Körper. Das einzige was ich noch nicht richtig gelernt habe ist NEIN zu sagen. Aber ich arbeite daran.
Im Moment habe ich auch noch etwas Einstellungsprobleme mit meiner Schilddrüse. Habe mich, denke ich, dazu entschlossen sie in den Herbstferien operieren zu lassen. Mal sehen was danach kommt. Welche Überraschungen diese Krankheit noch auf Lager hat? Am liebsten wäre mir sie würde endgültig aus meinem Leben verschwinden. Sie durfte mich zwar in meinem Leben begleiten, aber akzeptiert habe ich sie nie.
Mein treuster Freund in allen Situationen ist und war mein Hund. Was ich von allen anderen nicht behaupten kann. . .
Heike 13. Juni 2004
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